Jurten

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Jurten und Toiletten, nasse Kinder, Wärme, Notausgänge … und Licht
Ich habe mich in dieser Woche mit besorgten Eltern der Jurtengruppen getroffen um zuzuhören, zu erläutern und zu besprechen. Es ging um Toiletten know-how, nasse Kinderkleidung, Beheizungsarten, Brandschutz und die Frage nach dem Dasein der kirgisischen Jurte – aber jetzt alles der Reihe nach.

 

Zu den Toiletten ist der Weg bald nicht mehr so weit, da die Komposttoilette und das dazugehörige Handwaschbecken endlich angekommen sind – damit leisten wir einen Beitrag zum Umweltschutz und produzieren hervorragenden Bio-Dünger, mit dem wir am Stoffkreislauf wieder teilnehmen. Das ordnungsgemäße Aufstellen der Komposttoilette und des Handwaschbeckens wird noch ein paar Tage in Anspruch nehmen, so dass beides voraussichtlich in spätestens 2 Wochen genutzt werden kann.
Der Aufstellort des Toilettenhäuschens wird auf der Plattform zwischen den Tannen (mit dem Rücken zum Fußballfeld des Unterstufen-Pausenhofs) sein. Es gab Bedenken wegen optischer Beeinträchtigungen durch die Toilette, aber es sei hier allen versichert, dass es sich bei dem georderten Modell um ein ästhetisches Klohäuschen handelt, das bedeutend mehr Charme hat, als ein leuchtend blaues Dixi-Klo. Der Standort wurde gewählt, um problemlos an die Öffnung zum Wechseln des Kompostbehälters der Toilette zu gelangen und eine einfache Wartung und Reinigung zu ermöglichen – dennoch ist die Toilette damit nicht unverrückbar und es können auch andere Lösungen angedacht werden. Vorerst wird es aber bei diesem Standort bleiben.
Bedenken über eventuell entstehende Gerüche der Komposttoilette wurden ebenfalls geäußert. Dazu kann ich sagen, dass wir uns zuvor hinreichend informiert und auch getestet (sic!) haben. Es riecht nicht. Bitte gebt der Toilette eine Chance, dies auch zu beweisen.

Nasse Kinder sind im Herbst nichts Ungewöhnliches – blöd nur, wenn sie nicht mehr trocknen können. Das war und ist eine berechtigte Sorge der Jurten-Eltern und so haben diese es kurze Hand übernommen, sich um Vorbauten vor den Jurteneingängen zu kümmern, wofür wir an dieser Stelle noch einmal unseren Dank aussprechen wollen. Auch wenn die Kommunikation leider an einigen Stellen etwas holprig verlief, ist doch das Ergebnis bereits bei einer Jurte schon sichtbar geworden und so, wie wir es bisher vernommen haben, funktioniert der Vorbau genau so, wie er es soll.
Für nasse Kinderkleidung ist dort leider kein Platz und zum Trocknen hat sie dort auch keine Chance, im Gespräch mit den Eltern kamen wir jedoch zu der Lösung, im Inneren der Jurten zwischen den Dachstangen (und für die Kinder ungreifbar) schnell abnehmbare Wäscheleinen aufzuhängen, an denen die nasse Wäsche der Kinder baumelnd trocknen kann.

Die Wärme, die man an nebligen Herbstmorgenden zu vermissen beginnt, war ein zentrales Thema des Gesprächs und wir wurden mit der Frage konfrontiert, warum die Jurten denn nun eigentlich keine Fußbodenheizung haben, wenn doch zu Beginn noch davon die Rede war.
Es gibt keine Fußbodenheizung, weil wir uns für Infrarot-Strahlplatten entschieden haben. Und warum? Weil sie, neben einem Ofen, die beste Beheizungsmöglichkeit für eine Jurte sind. Zu dem Schluss sind wir nach langen Gesprächen mit Jurtenherstellern und Jurtendauernutzern gekommen. Eine Fußbodenheizung ist eine indirekte Strahlungsheizung, die zudem leider auch noch sehr träge ist. Die Strahlungsleistung wird bei dieser Methode kaputt gedämpft und es braucht viel mehr Energie, um ein mit einer direkten Strahlungsheizung vergleichbares Ergebnis zu erzielen.
Exkurs zur Erläuterung:
Die Infrarot-Strahlplatten funktionieren, der Sonne ähnlich, direkt und unmittelbar. Sie erwärmen alle im Raum befindlichen Körper (auch Möbel), welche damit widerum selbst durch ihre Masse als Wärmespeicher dienen. Eine Jurte ist zugiger als andere Räume und bewegte Luft bedeutet Wärmeabtrag auf der Oberfläche. Beheizte man nun den Raum mit normalen Heizkörpern, also per Konvektion, benutzte man damit einen Isolator (Luft) als Wärmeleiter – Luft zu erwärmen, um zu heizen, ist (nicht nur in diesem Fall) einfach unsinnig. Wird die warme Luft aus dem Jurteninnenraum gegen kalte Luft von Außen getauscht, was in geringem Maße konstant, beim Öffnen der Türen jedoch schnell und heftig passiert, muss nun die neue, kalte Luft erst wieder komplett neu erwärmt werden; ein endloses Spiel.
Die träge Fußbodenheizung ist schon die bessere Variante gegenüber der Konvektion, hat aber den Nachteil, dass sie zu langsam reagiert – in beide Richtungen. Zunächst muss der Fußboden über der Heizung erwärmt werden und die Heizung kann so nicht direkt die Körper im Raum bestrahlen, sondern nimmt den Umweg über den Holzboden. Der Holzboden selbst darf aber nicht über eine gewisse Temperatur hinaus beheizt werden, da er sonst nicht mehr begehbar ist, weil zu heiß. Nun muss dieser Boden, der unsere Heizstrahlfläche darstellen soll, alles andere im Raum noch gleichmäßig erwärmen, damit es als Massespeicher fungieren kann und negative Wärmestrahlung vermieden wird. Versetzt man sich jetzt in die Lage des Fußbodens und schaut auf die Gegenstände, die sich auf einem befinden, so sieht man nur die Unterseiten, kleine Vierecke die eigentlich Regalfüße sind, Kinder- und Erzieherfußsohlen, etwas Po und Bauch und einen Teppich, der jede Strahlung bremst. Der Winkel, um alles anzustrahlen und gut zu erwärmen, ist denkbar ungünstig.
Kommen wir nun zur Strahlplatte, die eine wesentlich höhere Oberflächentemperatur als der Fußboden erreichen darf und in alle Richtungen (zwar nicht gleichgut, aber überraschend effektiv) ihre Wärme abgibt. Die Wärmestrahlung kann in anderen Winkeln auf die Körper auftreffen und erlaubt somit eine gleichmäßige und vor allem schnelle Erwärmung. Die Strahlplatten erwärmen sogar den Fußboden und kalte Luft interessiert sie nicht.
Wer schon einmal bei -20°C im Schatten einer Skihütte stand, fror, die Kälte verfluchte und dann in den sonnigen Teil auf die Terrasse vor der Hütte flüchtete, nutzte diesen Effekt bei der Sonne, den auch die Strahlplatten in unseren Jurten haben: Die kalte Luft schert einen nicht mehr, wenn man direkt und unmittelbar von Wärmestrahlung getroffen wird.
Da alle anderen Körper im Raum auch als Massespeicher dienen, spürt man neben ihnen ebenfalls keine negative Wärmestrahlung, weil die körpereigene Wärme nicht mit dem kälteren Objekt in Wärmeaustausch geht (man nennt das gern auch Kältestrahlung, was man dann fühlt).
Deswegen haben wir uns für die Infrarot-Strahlplatten entschieden.
Bisher ist pro Jurte nur eine Platte angebracht. Bei Bedarf gibt es die Möglichkeit sehr schnell noch eine zweite Platte in jeder Jurte zu montieren.

Notausgänge sind wichtig und es wird auch zügig einen in der kirgisischen Jurte geben. Dies ist bisher noch nicht geschehen, weil es sich bei der Jurte um eine Geliehene handelt und das dort nicht so einfach möglich ist. Frau Reiner hätte gern weiterhin diese kirgisische Jurte und nach ersten Überlegungen und Gesprächen mit dem Händler darüber, ob wir jene Jurte auch kaufen können, müssen wir nun noch einmal alles überdenken, was wir eigentlich so geplant hatten.

Die kirgisische Jurte fristet also gerade ein Dasein wie Schrödingers Katze – halb gibt es sie, halb ist sie hin. Es gibt bald eine Jurtenmesse, zu der wir fahren und deren Termin wir auch noch einmal bekanntgeben werden, damit auch Eltern daran teilnehmen können. Wir loten derzeit alles aus und können dazu nicht immer sofort jedes Detail kommunizieren, melden uns jedoch an dieser Stelle im nächsten Newsletter wieder mit dem neusten Stand – es wird aber noch vor dem Winter alles geregelt!

Licht ist in der kommenden dunklen Jahreszeit wichtig und natürlich sollen die Jurten nicht weiter mit Baustrahlern beleuchtet werden. Eine angemessene Beleuchtung ist mit der Firma Lindhorst seit Ende August besprochen und geordert, allein die Lieferung dauert und dauert. Die Anschlüsse für die Beleuchtung sind bereits vorbereitet.

Herzliche Grüße,
Rebekka Ley